Neuerscheinung: In aller Vielfalt

Neuerscheinung: In aller Vielfalt - Geschlechter, Sexualitäten, Beziehungsformen im Neuen Testament und seinen Kontexten

Herausgegeben von Tanja Forderer, Christine Gerber, Ursula Ulrike Kaiser und Silke Petersen
Neuerscheinung: In aller Vielfalt
Foto: Valerie Gilg

In aller Vielfalt

Cover Neuerscheinung "In aller Vielfalt"

Foto: Mohr Siebeck

Open Access: In aller VielfaltExterner Link
ermöglicht auch aus Mitteln von Gender in Focus:
https://www.uni-jena.de/355080/uebersicht-gefoerderte-projekte

Dieser Sammelband wirft einen frischen Blick auf die Themen Geschlechter, Sexualitäten und Beziehungs-formen im Neuen Testament und seinen Kontexten, insbesondere aus sozial-, geschlechter- und körper-geschichtlicher Perspektive. Die einzelnen Beiträge zeigen, dass in der Antike und im Neuen Testament andere Konzepte von Geschlecht, Körper und Fortpflanzung galten als heute: Eine Ehe war hierarchisch und, was die 
sexuelle Exklusivität betrifft, asymmetrisch konzipiert. Die heute als christliches Ideal geltende Vater-Mutter-Kind-Familie gab es so nicht, Sklaverei hingegen wurde als selbstverständlich praktiziert. Daher muss in Bezug auf die Menschen in den ersten christlichen Gemeinden immer intersektional bedacht werden, was die Aussagen für
versklavte Personen einerseits, für ihre »Herr*innen« andererseits
bedeuteten.

Die Beiträge zeigen aber auch, dass Geschlechter, Sexualitäten und Beziehungsformen in der Antike vielfältig verstanden und gelebt wurden und Normen und Ideale in den
ersten christlichen Gemeinden umstritten waren. Die Einsicht in die Andersheit der Welt der neutestamentlichen Texte gemahnt, nicht unvermittelt christliche Ideale aus ihnen für heute abzuleiten. Gleichzeitig öffnen die Wahrnehmung der Vielfalt des Lebens in der Antike und der Gegenwart und der Abstand zwischen diesen Zeiten und Welten einen Diskurshorizont. Dies berücksichtigend lädt der Band dazu ein, im Spiegel der Texte auch die heutigen gesellschaftlich-kulturellen Gegebenheiten und ihre subtileren, aber gleichwohl wirksamen Machtverhältnisse zu reflektieren.

Inhaltsübersicht:

Tanja Forderer/ Christine Gerber/Ursula Ulrike Kaiser/Silke Petersen: Einleitung

Alida C. Euler/Elisa M. Klein/Salome Lang: Geschlechter, Sexualitäten und Beziehungsformen heute. Facetten aktueller Kontexte und Diskursfelder

Ute E. Eisen: Geschlecht als Kategorie der Bibelexegese

Silke Petersen: „... dann werden sie weder heiraten noch verheiratet werden» (Mk 12,25). Asymmetrische 
Geschlechtervorstellungen und ihre Aufhebung

Ursula Ulrike Kaiser: Geschlechterdifferenz und Fortpflanzung. Oder warum Mädchen aus antiker Sicht nur zweite Wahl sind

Heidrun E. Mader: Der ganze Mensch in Beziehung. Zur Konstruktion von Leiblichkeit in Bibel und Früh-christentum

Christine Gerber: Mehr als Vater-Mutter-Kind. Das Konzept der antiken Familie in der Welt des Neuen
Testaments

Tanja Forderer: Vom Heiraten und Sich-Trennen. Ehe und Scheidung im Neuen Testament und seiner Welt
Sheila Briggs/Anamika Wehen: Die Dienstmägde Gileads und die Sklav*innen der Bibel. Zur Verkettung von Familie, Sex und Sklaverei im patriarchalen Machtgefüge des Neuen Testaments

Bernadette J. Brooten: „Verachtenswerte Leidenschaften«? Gleichgeschlechtliche Liebe im Neuen Testament

Angela Standhartinger: Zwischen Ehefreiheit und Ehepflicht. Zu den politischen und theologischen Kontexten frühchristlicher Moraldiskurse

Sarah Jäger: Ist das noch gut oder kann das weg? Über die Relevanz biblischer Texte für unsere
gegenwärtige Ethik

Tanja Forderer/Christine Gerber/Ursula Ulrike Kaiser/Silke Petersen: Epilog