Wem gehört das Wasser? Auch dieser Frage widmet sich der neue Sonderforschungsbereich/Transregio.

Auseinandersetzungen um Eigentum nehmen zu

Eröffnungstagung des neuen Sonderforschungsbereichs/Transregios (SFB) 294 „Strukturwandel des Eigentums“
Wem gehört das Wasser? Auch dieser Frage widmet sich der neue Sonderforschungsbereich/Transregio.
Foto: Jan-Peter Kasper (Universität Jena)
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Meldung vom: 30. Juni 2021, 07:30 Uhr | Zur Original-Meldung

Am 8. und 9. Juli 2021 findet an der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Eröffnungstagung des neuen Sonderforschungsbereichs/Transregios (SFB) 294 „Strukturwandel des Eigentums“ statt, der Anfang des Jahres an den Universitäten Jena und Erfurt die Arbeit aufgenommen hat und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Den Strukturwandel des Eigentums erforschen in 23 Teilprojekten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Soziologie, der Politik-  und Geschichtswissenschaft, der Philosophie, den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, den China- und Südasienstudien sowie der Religionswissenschaft. Thematisch befasst sich der Sonderforschungsbereich mit der Geschichte des Eigentums seit der Antike, mit aktuellen Konflikten um Eigentum sowie mit zukünftigen Eigentumsverhältnissen und Alternativen zum Privateigentum. Geforscht wird nicht nur im europäischen Kontext, sondern etwa auch in Indien, China oder Brasilien. Denn die zukünftigen Strukturen des Eigentums werden heute ohne Zweifel im globalen Rahmen ausgehandelt, so Silke van Dyk, Hartmut Rosa und Tilman Reitz, die das dreiköpfige Leitungsteam bilden. Bei der Auftakttagung diskutieren die Forscher und Forscherinnen mit Gästen aus Wissenschaft, Praxis und Medien über die Eigentumsverhältnisse der Gegenwart und Zukunft.

Wem gehören der Wind, der Mond, die Stadt?

Die Ausgangsdiagnose des interdisziplinären Forschungsverbunds lautet, dass Auseinandersetzungen um Form, Bedeutung, Verteilung und Verpflichtung von Eigentum in den nächsten Jahren deutlich an Intensität gewinnen werden. „Dabei geht es nicht nur um die Verteilung von Einkommen und Vermögen, sondern um eine Vielzahl an Themen, etwa das Eigentum an Daten, an Gensequenzen, an globalen Ressourcen bis hin zum Wind und zu den Rohstoffen auf dem Mond, um die Frage, wem die Stadt gehört, oder ob Körperorgane eigentumsfähig sein können,“ sagt Hartmut Rosa, der Sprecher des Sonderforschungsbereichs. Die Berliner Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ zur Vergesellschaftung großer Immobilienfirmen, aber auch der Versuch der Bundesregierung, Schlüsselindustrien vor dem chinesischen Zugriff zu schützen und gegebenenfalls sogar zu verstaatlichen, seien nur zwei aktuelle Beispiele für die zu erwartenden Auseinandersetzungen. Zugleich beobachten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass sich auch verändert, was es überhaupt bedeutet, Eigentum zu haben: „Die dominante Vorstellung von Eigentum beinhaltet, dass der Eigentümer einerseits über seinen Besitz verfügen, ihn gestalten kann, andererseits aber auch, dass er für ihn Sorge trägt. Wenn heute etwa Wohneigentum von großen Immobilienfonds erworben und oft in Sekundenbruchteilen wieder weiterverkauft wird, dann wissen Eigentümer, die Fondsanteile halten, in aller Regel gar nicht, an was sie Eigentum haben, und die Mieter wissen nicht, wem sie die Miete zahlen. Das ändert den Charakter dessen, was Eigentum ist und heißt“, erklärt Silke van Dyk, Co-Sprecherin des SFB. Ähnliche Verschiebungen lassen sich beobachten, wenn etwa Musiktitel oder literarische Erzeugnisse auf digitalem Wege nicht nur beliebig und kostenfrei vervielfacht werden können, sondern wenn sie gar nicht mehr als persönlicher Besitz erworben, sondern nur temporär genutzt bzw. ‚gestreamt‘ werden. „Dann wird das Eigentum an Kulturprodukten durch technische Zugriffsrechte ersetzt. Auch das ändert den Charakter des Eigentums“, erläutert Tilman Reitz, ebenfalls Co-Sprecher. In jedem Fall zeige sich, dass nach Jahrzehnten der teils aggressiven und globalen Privatisierung von Eigentum in nahezu allen ökonomisch relevanten Bereichen bis hin zum Wasser und zum Wind inzwischen überall politische und auch technische Gegentendenzen zu beobachten sind. Die bringen nicht nur neue Formen des Eigentums hervor, die sich beispielsweise in vielfältigen Ausprägungen von Sharing Economies oder von Commons niederschlagen, sondern haben auch ein weltweites Nachdenken über Alternativen zur Eigentumsförmigkeit der Gesellschaft in Gang gesetzt.

Information

Interessierte können die Veranstaltung online verfolgen:
Am Donnerstag: https://us02web.zoom.us/j/83482855020?pwd=ME9WL1ptQWgvcndTalJKNU9yZXRIZz09
Kenncode: SFB_294
Am Freitag: https://online.mmz.uni-jena.de/sfb.html

Kontakt:

Professur allgemeine und theoretische Soziologie
Hartmut Rosa, Univ.-Prof. Dr.
Telefon
+49 3641 9-45510
Fax
+49 3641 9-45512
Sprechzeiten:
Vorlesungszeit: donnerstags 14.30-15.30
Bitte vereinbaren Sie einen Termin per Mail.














Vorlesungsfreie Zeit:
Raum 2.71
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
Professur Soziologie mit dem Schwerpunkt Politische Soziologie
Silke van Dyk, Univ.-Prof. Dr.
Universitätsprofessorin
Telefon
+49 3641 9-45560
Fax
+49 3641 9-45552
Sprechzeiten:
Sommersemester 2021

Vorlesungszeit:
Jeweils mittwochs, von 12:15 Uhr bis 13:45 Uhr.

vorlesungsfreie Zeit:
Mittwoch, 28.07., Mittwoch, 18.08., Mittwoch, 08.09. und Mittwoch, 22.09. jeweils von 11:30-13:00 Uhr.

Bitte melden Sie sich vorab per E-Mail bei mir an.
Raum 2.70
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
Professur Wissenssoziologie und Gesellschaftstheorie
Tilman Reitz, Univ.-Prof. Dr.
Universitätsprofessor
Telefon
+49 3641 9-45571
Sprechzeiten:
Vorlesungszeit: Dienstag 13.00-14.00 Uhr
Raum 2.83
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
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