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Strasbourg, Frankreich

Stud. theol. Elisabeth Huhn über ihr Auslandssemester in Strasbourg, Frankreich

WS 2010/11 an der Faculté de Théologie Protestante der Université de Strasbourg, France
Studiengang: Master Théologie Protestante

Vorbereitung

Alle wichtigen Informationen zur Erasmus-Bewerbung findet ihr auf der Seite des AAA. Am besten kümmert ihr euch frühzeitig um alle Formalitäten (Auslandsbafögg, Krankenversicherung, Learning Agreement etc), damit ihr euer Auslandssemester genießen könnt.

Ankunft und Formalitäten

Wenn man in Strasbourg ankommt und sich ein Zimmer gesucht hat (dazu später mehr), sollte man sich zuerst eine Wohnhaftpflichtversicherung (Assurance de logement, gibt's bei jeder Versicherung und den meisten Banken - kostet ca. 15€ pro Monat) besorgen. Danach geht's zur Uni um die nötigen Formalitäten zu erledigen - Carte Culture und Einschreibungsbestätigung im Sekretariat der jeweiligen Fakultät abholen und dann auf zum Campus. Dort findet man Wegweiser die einen zu einer Art Studieneinführungszentrum führen. Mein Tip: Bringt viel Zeit mit - in diesem Zentrum wird euer Studentenausweis ausgestellt (das Foto dafür wird live geschossen) und das kann dauern, weil es meisten nur 2-3 Sachbearbeiter gibt und die Prozedur ewig dauert. Nach der Ausstellung des Ausweises könnt ihr ihn auch gleich als Monatskarte für die Straßenbahn nutzen. Dafür muss man jeden Monat ca. 25€ ausgeben, aber es lohnt sich - gerade wenn man außerhalb im Wohnheim wohnt oder ab und zu mal mit dem Bus nach Kehl (auf der anderen Rheinseite, ca. 5km entfernt) fahren will. ACHTUNG: Monatskarte und Mensakarte sind zwar auf einer Karte, man muss sie aber an unterschiedlichen Orten aufladen - die Monatskarte bei CTS (Nahverkehr) und die Mensakarte entweder in bar in der großen Campusmensa oder wenn ihr eine französische Bankkarte habt an jedem Bankautomaten.
Ein französisches Konto zu eröffnen lohnt sich nicht für alle Studenten. Meist beträgt die Laufzeit zwei Jahre und wenn man nur ein Semester bleibt, ist es eine Überlegung wert, sich in Deutschland eine kostenfreie Kreditkarte zu besorgen und damit alles zu bezahlen. Allerdings kann man dann kein Wohngeld beantragen.

CROUS

Das französische Studentenwerk - Hier findet ihr nochmal alle wichtigen Informationen zu essen, wohnen und studieren.
http://crous-strasbourg.fr/

Mensa

In Strasbourg gibt es diverse Mensen, die meisten vom CROUS, die Gallia (in historischem Gebäude) von der Studentenvereinigung AFGES und dann noch die Mensa im Theologenwohnheim Le Stift. Das Menü (Hauptgericht, 2 Komponenten, Baguette und Wasser) kostet ca. 3€, aber nur, wenn ihr mit eurem Studentenausweis bezahlt (ergo Geld aufladen!!)... sonst wird's teurer. Das Essen ist meistens gut und es gibt 3-4 Gerichte zur Auswahl und außerdem noch Pizza, Pasta & Co.

Wohnen

Es gibt im groben 3 Möglichkeiten in Strasbourg zu wohnen:

1. Wohnheim, staatlich: Die staatlichen Wohnheime liegen fast alle weit draußen (StraBa, Bus oder Rad erforderlich - nachts Taxi, weil da nix mehr fährt) und sind riesengroß (ergo anonym). Die normalen Zimmer sind ca. 10m² groß und möbliert mit eigenem Waschbecken - Duschen, Toiletten und Etagenküchen teilen sich alle. Wenn man das alles verkraftet, dann kommt jetzt der unschlagbare Vorteil dieser Wohnheime: die Zimmer kosten nur ca. 160€ mit allem!!!

2. Wohnheim, privat (Foyer): Die privaten Wohnheime liegen fast alle in der Innenstadt oder nah am Campus. Man muss also nicht lange laufen oder fahren um zur Uni, zum Shoppen oder ins Kino zu kommen. Die Zimmer sind wie in den staatlichen Wohnheimen möbliert, aber meist individueller und vor allem größer (ich hatte mit 14m² bei uns eins der kleineren Zimmer). Meist werden sich auch hier Bäder und Küchen geteilt, aber mit weniger Leuten, die Atmosphäre ist persönlicher. Fast alle privaten Wohnheime sind in der Hand verschiedener Glaubensgemeinschaften und daher vielleicht nicht für jeden geeignet, man nimmt aber meistens auch nicht konfessionell Gebundene oder Andersgläubige auf. ACHTUNG: Die Wohnheime können geschlechtergetrennt sein oder keinen Herren-/Damenbesuch auf dem Zimmer erlauben.
Ich habe in einem privaten Wohnheim, der AUP (heißt jetzt Le Sept) gewohnt und fand es super. Bei uns ging es nicht sehr streng, dafür aber international zu. Es wird darauf geachtet, dass Studenten aus ärmeren Ländern mit Europäern, Australiern und Amerikanern zusammen wohnen. Jeder hat ein Zimmer oder ein Studio (ergo mit Bad), die Toiletten und Bäder werden sich normalerweise zu dritt oder zu viert geteilt und die gemeinsame, sehr große Küche liegt im Keller und ist das Zentrum des Hauses (für Küche, Bäder und Flure gibt es eine Putzfrau). Es gibt dort 26 Wohneinheiten und viele Gemeinschaftsräume, außerdem eine Waschmaschine und einen Computerraum. Bei den Zimmern sind alle sonstigen Kosten inklusive, in den Studios muss man für Strom, Heizung und Wasser selbst aufkommen.
Jeden Donnerstag kochen 2 Leute für das ganze Haus und jeder zahlt für dieses Essen einen Unkostenbeitrag von 2,50€. Meist gab es landestypische Gerichte unserer Mitbewohner, also französisches, deutsches, finnisches, marokkanisches, chinesisches etc. Essen.
Jetzt kommt der Haken: Zimmer in der Innenstadt sind ziemlich teuer, ca. 250-350€ muss man schon ausgeben, aber man kann CAF, d.h.: Wohngeld beantragen - dafür braucht man aber unbedingt ein französisches Konto.
http://www.aup-strasbourg.fr/

3. Privates Zimmer: Dazu kann ich nicht viel sagen, nur soviel: billiger wird es vermutlich nicht (es sei denn man zieht in eine Bruchbude) und wenn mal irgendwas nicht klappt, dann wartet man ewig bis sich der Vermieter drum kümmert, außerdem muss man meist selbst für die Möblierung sorgen, was sich ja für ein Semester nicht wirklich lohnt.

Uni

Die beiden Theologischen Fakultäten liegen im Palais Universitaire (Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert, hat eine sehr schicke Aula, ist aber sonst renovierungsbedürftig).
In unseren Masterkursen saßen nie mehr als 20 Leute, meistens aber weniger als 10. Die Betreuung war sehr gut und die meisten Kurse wurden interessant gestaltet (klar, schwarze Schafe gibt es immer). Es gibt nicht wie bei uns die Unterteilung in Vorlesungen, Seminar und Übungen, sondern immer eine Mischung daraus - je nach Dozent mehr frontal oder dialogisch. Man kann sich auch anders als an deutschen, theologischen Fakultäten kaum aussuchen, was man belegt, sondern man muss in jedem Semester alle Teilgebiete der Theologie hören (für Erasmusstudenten gibt es aber Ausnahmen). Dadurch einsteht aber ein Klassenverband der über Jahre zusammen studiert und auch viel gemeinsam unternimmt. In den Kursen herrscht theoretisch Anwesenheitspflicht, was aber von den meisten nicht so ernst genommen wird. Am Ende des Semesters gibt es eine Prüfungsphase in der letzte Hausarbeiten fertiggestellt und mündliche Prüfungen abgelegt werden. Klausuren gibt es nur in den Sprachen.

Freizeit

Man kann natürlich in Strasbourg, wie überall auf der Welt ins Kino, ins Schwimmbad etc. gehen, aber es gibt auch noch andere Angebote. Zum ersten wäre da der Unisport: Für einen relativ geringen Semesterbeitrag (ca. 15-20€) kann man alle möglichen Sportarten belegen, u. A. auch Golf oder Paragliding. Es lohnt sich auf jeden Fall die Carte Culture (gibt's für jeden Neuling umsonst im Sekretariat) auszunutzen - damit kommt gratis in alle Museen und bekommt andere Kulturangebote (Kino, Theater, Konzerte) vergünstigt. Wenn man sich ein Bißchen eingelebt hat, kann man zum Beispiel ins elsässische Mundarttheater La Choucrouterie gehen oder zu einer der vielen anderen Kleinkunstbühnen. Im Sommer kann man auch auf der Ill oder auf dem Rhein mit einem Boot fahren. Für politisch Interessierte gibt es reichlich europäische Institutionen zu besichtigen: das Parlament, den Europarat, den Menschengerichtshof etc. - auch das ist fast immer umsonst.

Tips

Museum: musée Tomi Ungerer - 2, avenue de la Marseillaise
beste Törtchen ever: Pâtisserie Jean-Claude Ziegler - 23, avenue de la Forêt Noire
Flammkuchen und handgebrautes Bier: Au Brasseur - 22, rue des Veaux
Gottesdienst im Münster und in Saint Thomas