Religiöses Aufwachsen als Zeitphänomen: Erinnerung – Gegenwart – Zukunft (Dr. Marita Koerrenz / Dr. Sungsoo Hong)

Im Rahmen der Kooperativen Konferenz aller wissenschaftlichen Religionspädagogiken (17.–19.09.2026, Bonn)

Generation

Foto: Adobe Stock
Generation
Zur Übersicht

Diese Veranstaltung ist beendet.

Veranstaltungseckdaten

Diese Veranstaltung im ICS-Format exportieren
Beginn
Ende
Veranstaltungsarten
Tagung/Konferenz
Ort
Graurheindorfer Str. 149 CJD Tagungs- und Gästehaus Bonn
53117 Bonn
Google Maps – LageplanExterner Link
Veranstaltungssprache
Deutsch
Barrierearmer Zugang
ja
Öffentlich
nein
Anmeldung erforderlich
ja
Zur Original-Veranstaltung

Religiöses Aufwachsen als Zeitphänomen: Erinnerung – Gegenwart – Zukunft (Dr. Marita Koerrenz / Dr. Sungsoo Hong)

Angesichts gesellschaftlicher Pluralisierung und beschleunigter Transformationsprozesse lässt sich religiöses Aufwachsen kaum noch als kontinuierliche Traditionsweitergabe beschreiben. Aktuelle empirische Studien zur Religiosität junger Menschen und zum religiösen Wandel zeigen deutliche Generationenverschiebungen, fragmentierte Traditionsbezüge und individualisierte Formen religiöser Selbstverortung. Zugleich berühren diese Transformationsprozesse eine theologisch zentrale Dimension, da religiöse Selbstdeutung stets zeitlich verfasst ist und sich im Spannungsfeld von Erinnerung, Gegenwartsbezug und Erwartung vollzieht. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns im geplanten Workshop mit folgender Frage auseinandersetzen: Wie strukturieren Personen unterschiedlicher Generationen ihr religiöses Aufwachsen narrativ entlang von Erinnerung, Gegenwartsdeutung und Zukunftserwartung – und welche Formen von Ungleichzeitigkeit werden dabei sichtbar?

Vorgesehen ist die Arbeit mit einer explorativen Untersuchung auf der Grundlage von sechs narrativen Interviews. Die Stichprobe umfasst zwei ältere Personen, zwei Personen der mittleren Generation sowie zwei jüngere Personen aus unterschiedlichen Kontexten. Analytisch von Interesse sind insbesondere Kontinuitätsnarrative, Bruchnarrative, retrospektive Umdeutungen sowie antizipative Projektionen. Dabei wird untersucht, wie Vergangenheit in der Gegenwart fortwirkt, zugleich jedoch aus heutiger Perspektive neu interpretiert wird und wie Zukunftserwartungen als implizites Korrektiv entworfen werden. Weiter ist zu fragen, ob Ungleichzeitigkeit etwa dort sichtbar wird, wo traditionelle Rituale emotional bedeutsam bleiben, obwohl sie normativ relativiert werden, oder wo religiöse Sprachformen familiärer Herkunft fortleben, obwohl sich persönliche Glaubensüberzeugungen verändert haben.

Der Workshop ist als narrative Werkstatt konzipiert. Ausgehend von ausgewählten Interviewausschnitten rekonstruieren die Teilnehmenden in Kleingruppen, wie religiöses Aufwachsen entlang von Erinnerung, Gegenwartsdeutung und Zukunftserwartung erzählt wird. Zeitliche Muster – Kontinuitäten, Brüche und Überlagerungen – werden gemeinsam markiert und diskutiert. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene Beobachtungen und Erfahrungen aus ihren jeweiligen Kontexten einzubringen und diese mit den rekonstruierten Erzählmustern ins Gespräch zu bringen. Ziel ist es, typische zeitliche Strukturformen religiöser Biografien sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für religionspädagogische und kirchliche Bildungsprozesse zu klären. Im Anschluss reflektieren wir gemeinsam, welchen Beitrag intergenerationale Lernprozesse für das Schulfach Religionslehre und die gemeindepädagogische Praxis leisten können, da intergenerationale Beziehungen, biografische Erfahrungen und kollektive Erinnerungen zentrale Bezugspunkte kirchlicher Gemeinschaften bilden.