Zusammenarbeit des Jenaer Zentrums für Versöhnungsforschung (JCRS) mit israelischen Universitäten und Wissenschaftlern intensiviert sich 2025 und 2026

Mit der Einladung zur Feierstunde am 6. Juli von 16:00 bis 17:00 in Schillers Gartenhaus

Zusammenarbeit des Jenaer Zentrums für Versöhnungsforschung (JCRS) mit israelischen Universitäten und Wissenschaftlern intensiviert sich 2025 und 2026

Seit seiner Gründung hat das JCRS intensiv mit akademischen Partnern in Israel immer zusammengearbeitet. Das trilaterale DFG-Projekt „Hearts of Flesh – not Stone“ (2013-2021) https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/229570262External linkExterner Link war das erste große transdisziplinäre Forschungsprojekt der Versöhnungsforschung überhaupt innerhalb einer deutschen Universität. An ihm nahmen neben der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und der palästinensischen NGO „Wasatia“ gleich zwei israelische Universitäten, Tel Aviv und Ben Gurion in Beer Sheba mit eigenen Teams teil.

Das JCRS hatte bisher immer Doktorandinnen und Doktoranden, und oft Gastwissenschaftler aus Israel, und hat dafür immer wieder einen Preis gezahlt. 2019 waren unsere israelischen Partner im trilateralen Projekt von einer Tagung in Südafrika ausgeladen worden, bei der wir die Ergebnisse von „Hearts of Flesh – not Stone“ vorstellen wollten; wir beschlossen daraufhin, dass wir alle, auch die deutschen und palästinensischen Wissenschaftler, unsere Teilnahme abgesagt haben. 2022 beschlossen zwei Universitäten aus Algerien aus einem gemeinsamen Erasmus plus Projekt auszutreten, weil die Zusammenarbeit des JCRS mit israelischen Institutionen den algerischen Boykottgesetzen gegen Israel widerspricht.

Das JCRS agiert nicht in Namen einer Gruppe, sondern in Namen der Versöhnung, des Friedens und des sozialen Zusammenhalts zwischen Gruppen. Deswegen haben wir auch gleichzeitig unsere Kooperation mit palästinensischen Universitäten und Forschern ausgebaut. Mit einem 700.000 €- Capacity Building Grant der Europäischen Kommission konnten wir in den Jahren 2000 bis 2024 staatlich akkreditierte Masterstudiengänge über Versöhnungsforschung an zwei jordanischen Universitäten, in der Al Istaqlal Universität in Jericho und an der Al Azhar Universität in Gaza aufbauen. Obwohl die Universität in Gaza im November 2023 von Luftangriffen der israelischen Armee zerstört wurde, arbeiten wir weiter mit den Professoren und Doktoranden dort zusammen. In welchem Geist dort gedacht wird, kann ein Text einer Kandidatin für die Doktorandenschule des JCRS deutlich machen. Er steht unter dem bezeichnenden Titel des Mystikers Rumi: „Wenn die anderen die Trommeln des Krieges schlagen, schlagen wir die Trommeln der Liebe“.  Prof. Leiner freut sich auch darüber, dass beide großen Drittmittelprojekte von der DFG und Europäischen Kommission als Erfolg bewertet wurden.

Die israelische Versöhnungsforschung gehört zu den besten weltweit, insbesondere durch seine sozialpsychologischen Beiträge. Inmitten der Kriegshandlungen im Nahen Osten ist es für das JCRS besonders wichtig, die Kooperation zu denen im Konfliktgebiet zu stärken, die zu Frieden und Versöhnung forschen. Sie sind die Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft für die Region und eine Innovation in wissenschaftlichen Sinn zugleich. Jegliche Formen von Boykotten, die über die legal bindenden und für die Begrenzung von Kriegen auch extrem wichtigen Boykotte von Rüstungszusammenarbeit hinausgehen, lehnt Prof. Leiner, Gründungsdirektor des JCRS, aufgrund seiner Forschungen ab.

Deshalb kam es während des Krieges zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit des JCRS mit palästinensischen und mit israelischen Wissenschaftlern. Um den deutsch-israelischen Philosoph Martin Buber zu paraphrasieren: mit dem „Querfront des Homo Humanus“, d.h. von Menschen, die in jede Gruppe für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes, die Reduzierung von Misstrauen und Feindseligkeit, und damit für Frieden und Versöhnung arbeiten. Das JCRS konnte sich als ein guter Ort für Begegnung und Gespräch zwischen Palästinensern und Israelis weiterhin etablieren.

Vom 24.-27. November 2025 fand die 1. Reconciliation Week des JCRS statt. Ihr Thema war: „Social Psychology in Israel on Reconciliation“. Berühmte Referenten und Teilnehmer waren u.a. Prof. Arie Nadler, Prof. Daniel Bar-Tal, Prof. Boaz Hameiri, Prof. Shifra Sagy und Prof. Yaarah Bar-On. Videoaufnahmen der überaus interessanten Tagung werden demnächst hier abrufbar https://www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00069986External linkExterner Link. Eine Publikation der Beiträge in der RIPAR-Reihe des JCRS für 2028 geplant.

Unter den Gastwissenschaftlern des JCRS sind immer wieder Forscherinnen und Forscher aus Israel. Von Juli 2026 bis März 2027 wird Dr. Hadas Shabat-Nadir, Expertin für Misrahi-Literatur, also die Literatur der Israelis, die aus arabischen Ländern eingewandert sind. Die Literaturwissenschaftlerin interessiert sich dafür, was aus der Hoffnung geworden ist, die aus arabisch sprechenden Ländern eingewanderten Juden könnten eine Brücke der Versöhnung zu den Palästinensern sein. Dr. Shabat-Nadir lehrt am Department of Literature des Kibbutzim College of Education in Tel Aviv, Israel.

Seit Beginn des Jahres 2026 baut das JCRS den neuen Pillar „Transitional Justice and Reconciliation“ auf (https://www.jcrs.uni-jena.de/1661/7-pillar en). Leiter des Pillars ist der deutsch-israelische Politikwissenschaftler Dr. Yoav Kapsut, der parallel zu seiner Arbeit am JCRS Senior Lecturer und Leiter des Department of Interdisciplinary Studies am Kinneret College am See Genezareth ist.

Zeichen besonderen Vertrauens zum JCRS ist die langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Yaraah Bar-On, Tochter des Pioniers der Versöhnungsforschung Dan Bar-On. Sie hat dem JCRS und der ThuLB in Jena einen großen Schatz anvertraut: die Orginalbänder der Gesprächsgruppen, die ihr Vater geleitet hat und die bisher nur in einigen Büchern auszugsweise wiedergegeben sind. (vgl. dazu auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Dan_Bar-OnExternal linkExterner Link) Es handelt sich um die Trust and Reflect- (TRT) Gesprächs Gruppen zwischen Kindern von hochrangigen deutschen Nationalsozialisten und Kindern von Holokaustüberlebenden und um Gespräche zwischen Palästinensern und Israelis, die im Zusammenhang mit dem gemeinsam mit seinem palästinensischen Partner Prof. Sami Adwan gegründeten PRIME-Institute in Beth Jala, der Partnerstadt Jenas stattfanden.

In den Tagen vom 6. bis 9. Juli 2026 startet eine neue Dimension der Kooperation des JCRS mit israelischen Universitäten. Prof. Yaarah Bar-On bringt eine Gruppe von 20 Studierenden des „College of Management Academic Studies (COLMAN)“ in Rischon LeZion/Dimona nach Jena. An den drei Tagen findet eine von Dr. Francesco Ferrari, dem Koordinator des JCRS (und Spezialist in jüdische Philosophie zugleich) organisierte Summerschool für die Gäste aus Israel statt. Prof. Yaarah Bar-On ist Dekanin der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften. Mit ihr zusammen planen wir, die Summerschool in den nächsten Jahren zu einer festen und regelmäßigen Institution zu machen.

Als einen Höhepunkt der Summerschool feiern wir am 6. Juli das 13 jährige Bestehen des JCRS und den Abschluss der Übergabe der Tonbänder, deren Übergabe am 21. Juni 2024 begonnen hatte (vgl. dazu den Bericht: https://www.uni-jena.de/256993/dialog-als-zeichen-der-hoffnung de ).

Die Feierstunde findet vom 6. Juli von 16:00 bis 17:00 in Schillers Gartenhaus, Schillergäßchen 2 in Jena, statt. Die Öffentlichkeit ist herzlich dazu eingeladen.

Cooperation between the Jena Center for Reconciliation Studies (JCRS) and Israeli universities and scholars intensifies in 2025 and 2026

Since its foundation, the JCRS has always worked intensively with academic partners in Israel. The trilateral DFG project “Hearts of Flesh – not Stone” (2013–2021) https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/229570262External linkExterner Link  was the first major transdisciplinary research project in reconciliation studies ever conducted within a German university. Alongside Friedrich Schiller University Jena and the Palestinian NGO Wasatia, two Israeli universities – the University of Tel Aviv and Ben-Gurion University in Be’er Sheva – participated in the project with their own research teams.

The JCRS has always hosted doctoral students and often visiting scholars from Israel, and it has repeatedly paid a price for doing so. In 2019, our Israeli partners in the trilateral project were disinvited from a conference in South Africa where we had intended to present the results of Hearts of Flesh – not Stone. We therefore decided that all of us (including the German and Palestinian scholars) would withdraw from the conference. In 2022, two universities in Algeria decided to withdraw from a joint Erasmus+ project because the cooperation of the JCRS with Israeli institutions conflicts with Algerian boycott legislation against Israel.

The JCRS does not act in the name of a particular group, but in the name of reconciliation, peace, and social cohesion between groups. For this reason, we have simultaneously expanded our cooperation with Palestinian universities and researchers. Through a €700,000 Capacity Building Grant from the European Commission, we were able between 2020 and 2024 to establish state-accredited Master’s programmes in Reconciliation Studies at two Jordanian universities, at Al-Istiqlal University in Jericho, and at Al-Azhar University in Gaza. Although the university in Gaza was destroyed by Israeli air strikes in November 2023, we continue to work with its professors and doctoral students. The spirit in which people there continue to think and work is illustrated by a text written by a candidate for the JCRS Doctoral School. It bears the telling title of a saying by the mystic Rumi: “When others beat the drums of war, we beat the drums of love.” Prof. Leiner is also pleased that both major third-party-funded projects were evaluated as successful by the DFG and the European Commission.

Israeli reconciliation research ranks among the best in the world, particularly because of its contributions in social psychology. In the midst of the ongoing war in the Middle East, it is especially important for the JCRS to strengthen cooperation with those in the conflict region who conduct research on peace and reconciliation. They are bearers of hope for a better future for the region and, at the same time, represent scientific innovation. Prof. Leiner, founding director of the JCRS, rejects all forms of boycott that go beyond the legally binding and, for the limitation of warfare, extremely important restrictions on military cooperation. This position is grounded in his research.

For this reason, cooperation between the JCRS and both Palestinian and Israeli scholars intensified during the war. To paraphrase the German-Jewish philosopher Martin Buber, this cooperation is based on a “cross-front of the Homo Humanus,” that is, people in every group who work to strengthen social cohesion, reduce mistrust and hostility, and thereby promote peace and reconciliation. The JCRS has continued to establish itself as a place of encounter and dialogue between Palestinians and Israelis.

From 24 to 27 November 2025, the first Reconciliation Week of the JCRS took place. Its theme was “Social Psychology in Israel on Reconciliation.” Distinguished speakers and participants included Prof. Arie Nadler, Prof. Daniel Bar-Tal, Prof. Boaz Hameiri, Prof. Shifra Sagy, and Prof. Yaarah Bar-On. Video recordings of this highly stimulating conference will soon be available at: https://www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00069986External linkExterner Link A publication of the conference contributions in the RIPAR series of the JCRS is planned for 2028.

Israeli scholars are regularly among the visiting researchers hosted by the JCRS. From July 2026 until March 2027, Dr. Hadas Shabat-Nadir, an expert on Mizrahi literature (that is, the literature of Israelis whose families immigrated from Arab countries) will be a visiting scholar at the JCRS. The literary scholar is interested in what has become of the hope that Jews who immigrated from Arabic-speaking countries might serve as a bridge of reconciliation between Israelis and Palestinians. Dr. Shabat-Nadir teaches at the Department of Literature of the Kibbutzim College of Education in Tel Aviv, Israel.

Since the beginning of 2026, the JCRS has also been developing a new pillar entitled “Transitional Justice and Reconciliation”: https://www.jcrs.uni-jena.de/1661/7-pillarExterner Link The pillar is directed by the German-Israeli political scientist Dr. Yoav Kapsut, who simultaneously serves as Senior Lecturer and Head of the Department of Interdisciplinary Studies at Kinneret College on the Sea of Galilee.

A particular sign of trust in the JCRS is its long-standing cooperation with Prof. Yaarah Bar-On, daughter of the pioneer of reconciliation studies Dan Bar-On. She has entrusted the JCRS and the Thuringian University and State Library (ThULB) in Jena with a remarkable treasure: the original recordings of the dialogue groups led by her father, which until now have only been published in excerpts in a few books (see also: https://de.wikipedia.org/wiki/Dan_Bar-OnExternal linkExterner Link ). These include the Trust and Reflect (TRT) dialogue groups between children of high-ranking German National Socialists and children of Holocaust survivors, as well as dialogue groups between Palestinians and Israelis connected to the PRIME Institute in Beth Jala, founded jointly by Dan Bar-On and his Palestinian partner Prof. Sami Adwan. Beth Jala is also the twin city of Jena.

From 6 to 9 July 2026, a new dimension of cooperation between the JCRS and Israeli universities will begin. Prof. Yaarah Bar-On will bring a group of twenty students from the College of Management Academic Studies (COLMAN) in Rishon LeZion/Dimona to Jena. During these days, a Summer School organized by Dr. Francesco Ferrari, Coordinator of the JCRS and at the same time a specialist in Jewish philosophy, will be held for the guests from Israel. Prof. Yaarah Bar-On is Dean of the Faculty of Humanities and Social Sciences. Together with her, we plan to establish this Summer School as a permanent and recurring institution in the years to come.

As one of the highlights of the Summer School, we will celebrate the 13th anniversary of the JCRS on 6 July and mark the completion of the transfer of the audio recordings, a process that began on 21 June 2024 (see also: https://www.uni-jena.de/256993/dialog-als-zeichen-der-hoffnung deExterner Link ).

The ceremony will take place on 6 July from 4:00 to 5:00 p.m. at Schiller’s Garden House, Schillergäßchen 2, Jena. The public is warmly invited to attend.