Geschichte

Die Theologische Fakultät Jena

Die Friedrich-Schiller-Universität und ihre Theologische Fakultät sind Kinder der Reformation: Nach der verlorenen Schlacht bei Mühlberg 1547 und dem Verlust der Wittenberger Universität regte der vormalige Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, einer der profilierten fürstlichen Vorkämpfer der Reformation, seine Söhne zur Gründung einer Universität in Jena an. Die dort Ausgebildeten sollten nicht nur zum Funktionieren des Territoriums beitragen, sondern auch den »rechten Glauben« verbreiten helfen. 1548 entstand die Hohe Schule, die 1558 Volluniversität wurde.

Die Gründungsfakultät profilierte sich schnell zu einem Zentrum des Luthertums und initiierte eine lange Tradition der Herausgabe Lutherischer Werke. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Fakultät zur Wirkungsstätte bedeutender Theologen: Darunter etwa Johann Gerhard (1582–1637), Johann Franz Buddeus (1667–1729), Johann Jakob Griesbach (1745–1812), Hans Lietzmann (1875–1942) und Gerhard von Rad (1901–1971). Dabei entwickelte sie sich ausgehend von der Aufklärung bis heute zu einem modernen und liberalen Ort theologischer Forschung und Lehre.

Im Zukunftskonzept »Light · Life · Liberty« der Universität Jena positioniert sich die Theologische Fakultät mit den Geistes- und Sozialwissenschaften unter dem Stichwort »Liberty« und stellt sich damit in die Freiheitstradition, die Friedrich Schiller an Jena rühmte. Gleichzeitig ist sie aufgrund ihrer lutherischen Wurzeln wegweisend in der Pflege und Erforschung des reformatorischen Erbes. So prägen neben den Forschungsbereichen »Bibel im Kontext von Antike und Orient«, »Versöhnung in theologischer und ethischer Perspektive« und »Religiöse Bildung im Kontext sozialer Wandlungen«, die Profillinien »Reformation und Moderne« und »Biblische und lutherische Theologie in Kirche und Gesellschaft heute« die Arbeit der Jenaer Theologinnen und Theologen.

 

 

Postkarte "Who's who?"

Nachfolgend finden Sie die Legende zu den abgebildeten historischen Portraits unserer Postkartenaktion. Wir danken der Kustodie der Friedrich-Schiller-Universität Jena für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Portraits.

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Hanna Marie Margarethe Jursch (1902-1972), Professorin für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie
Hanna Jursch war die erste Frau, die an einer deutschen Theologischen Fakultät eine ordnungsgemäße Habilitation erworben und seit 1956 einen Lehrstuhl für Theologie inne hatte. Ihre kirchengeschichtliche Forschung betrieb sie unter intensiver Berücksichtigung kunstgeschichtlicher und archäologischer Fragestellungen.
Link zum Hanna-Jursch-Preis der EKD.

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Karl August von Hase (1800-1890), Professor für Kirchengeschichte und Dogmatik sowie Rektor der Universität
Karl von Hase gilt als einer der bedeutendsten Jenaer Theologen des 19. Jahrhunderts. Sein kirchengeschichtliches Lehrbuch erlebte zwischen 1834 und 1900 zwölf Auflagen, ebenso verfasste er Werke zur lutherischen Dogmatik.
Link zum Jenaer Studienhaus Karl-von-Hase-Haus.

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Johann Christoph Döderlein (1746-1792), Professor der Theologie und Rektor der Universität
Döderlein gilt als Vertreter der Neologie (Aufklärungstheologie). Sein wissenschaftliches Interesse galt vorrangig dem Alten Testament, aber auch der protestantischen Glaubenslehre und Ethik. Von Bedeutung ist Döderlein bei der Begründung der Deutero-Jesaja-Hypothese, die er erstmals 1781 formulierte. Link zu weiteren Informationen.

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Johann Gerhard (1582-1637), Professor der Theologie und Rektor der Universität
Gerhard gilt mit seinen "Loci communes theologici" als der bedeutendste Vertreter der lutherischen Orthodoxie und war maßgebender Protagonist in den dogmatischen Diskussionen seiner Zeit. Zusammen mit den Jenaer Theologen Johann Major und Johann Himmel bildete er die sogenannte "Johanneische Trias".

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Hans Heinrich Wendt (1853-1928), Professor für Systematik und Neues Testament
Wendt gehörte zur Schule Albrecht Ritschls. Er lehrte in Göttingen, Kiel und Heidelberg und war von 1893 bis 1925 ordentlicher Professor des Neuen Testaments und der Systematischen Theologie in Jena. Wendt war des weiteren Präsident der Sachsen-Weimarischen Landessynode.

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Johann Gottfried Eichhorn (1752-1827), Professor für orientalische Sprachen
Eichhorn wurde an der Theologischen Fakultät Jena promoviert. Mit seiner dreibändigen „Einleitung in das Alte Testament“ (1780-1783) gehört Eichhorn zu den wichtigsten Begründern der historisch-kritischen biblischen Einleitungswissenschaft. Er übernahm die ältere Urkundenhypothese von Jean Astruc und entwickelte diese weiter, ebenso Döderleins Deutero-Jesaja-Hypothese. 1788 wechselte er auf einen philosophischen Lehrstuhl nach Göttingen.
Link zu weiteren Informationen.

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Johann Georg Walch (1693-1775), Professor der Philosophie, Altertumskunde, Rhetorik und Theologie sowie Rektor der Universität
Walch verfasste diverse und umfassende Schriften zur Kirchen- und Dogmengeschichte, so etwa die „Historische und theologische Einleitung in die Religionsstreitigkeiten der evangelisch-lutherischen Kirche“ (1730–39) und die „Bibliotheca theologica selecta“ (1757–65). Des Weiteren war er Herausgeber der Werke Martin Luthers. Philosophiegeschichtlich sind sein „Philosophisches Lexicon“ und seine „Kontroversstücke gegen die Wolffsche Metaphysik“ von Bedeutung.

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Matthias Flacius Illyricus (1520-1575), Professor der Theologie
Flacius studierte u. a. in Wittenberg bei Martin Luther und Philipp Melanchthon, wandte sich jedoch später in dem an das Augsburger Interim und die Leipziger Artikel anschließenden Adiaphoristischen Streit strikt gegen Melanchthon. Als bekanntester Vertreter der sogenannten "Gnesiolutheraner" war er von 1557 bis 1561 Professor der Theologie an der damals streng lutherischen Universität Jena. Er war einer der aktivsten und umstrittensten Theologen in der lutherischen Bekenntnisbildung.

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Karl Heussi (1877-1961), Professor für Kirchengeschichte und Rektor der Universität
Heussi lehrte knapp 30 Jahre als Ordinarius in Jena. Seine Vorlesungen gehörten phasenweise zu den meistbesuchten der Universität und sein "Kompendium der Kirchengeschichte" wurde zu einem der führenden kirchengeschichtlichen Lehrbücher des 20. Jahrhunderts. In den Jahren seiner Lehrtätigkeit zwischen 1924 und 1953 hatte Heussi sich in einer wechselhaften Zeit zu verorten, die durch die mehrfachen politischen Umbrüche von der Weimarer Republik über das "Dritte Reich" bis in die DDR hinein geprägt war.

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Johann Jacob Griesbach (1745-1812), Professor für Theologie und Rektor der Universität
Griesbach gilt zum einen als einer der Begründer der neutestamentlichen Textkritik. Zum anderen erlangte er Bedeutung anhand der "Griesbachschen Hypothese" zum Abhängigkeitsverhältnis der synoptischen Evangelien und führte die Termini "Synopse", "Synoptiker" und "synoptisch" in die moderne neutestamentliche Wissenschaft ein. Der Neutestamentler Johann Philipp Gabler (1753-1826) und der Alttestamentler Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780-1849) gehörten zu seinen Schülern in Jena.
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Friedrich Wilhelm Thümmel (1856-1928), Professor für Praktische Theologie und Rektor der Universität
Thümmel zählt zu den exponierten Vertretern des Evangelischen Bundes und verfasste zu Beginn seiner akademischen Laufbahn kontrovers diskutierte Schriften zur katholischen Transsubstantiationslehre und zur protestantischen Rechtfertigungslehre. Nach seiner Habilitation an der Universität Berlin erfolgte 1901 seine Ernennung zum außerordentlichen und 1903 zum ordentlichen Professor für Praktische Theologie an der Universität Jena sowie zum Direktor des homiletischen und katechetischen Seminars. 1919 wurde er Präses der Thüringischen Landeskirche.