Erkennbar als Christin in dieser Welt - Dr. Constance Hartung ist die neue Hochschul- und Studierendenpfarrerin

Dr. Constance Hartung von der Universität Jena ist die neue Hochschul- und Studierendenpfarrerin Jenas

Einst herrschte Konkurrenz zwischen dem christlichen Glauben und den Wissenschaften. Heute ergänzen sich beide und haben über die Fachgebiete der Theologischen Fakultät hinaus, zahlreiche Berührungspunkte - auch in Jena. Das spiegelt sich unter anderem in der Evangelischen Studierendengemeinde Jenas wider, eine offene Gruppe von Studierenden, Hochschulangehörigen und Berufseinsteigern aus dem universitären Umfeld. Nach über 15 Jahren hat die Gemeinde mit Dr. Constance Hartung von der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena nun eine neue Hochschul- und Studierendenpfarrerin. Die promovierte Religionsgeschichtlerin und ordinierte Pfarrerin folgt ab 1. Oktober 2016 Dr. Sabine Nagel ins Amt. Dabei will sie an die Arbeit ihrer Vorgängerin anknüpfen und bereits Aufgebautes weiter pflegen.

"Ich sehe mich in drei Bereichen in der Pflicht. Zum einen biete ich seelsorgerliche Gespräche für alle an, die Probleme haben oder sich in schwierigen Studiensituationen und Lebenskrisen befinden. Außerdem leiste ich Vernetzungsarbeit und sehe mich auch einem Bildungsauftrag verpflichtet", so Hartung zu ihren persönlichen Zielen im Amt. Ihre Aufgabe sei es, die Kirche und insbesondere die Jenaer Studierendengemeinde in den gesellschaftlichen Prozess zu integrieren. Deshalb sei ihre Stelle auch mit Öffentlichkeitsarbeit verbunden. "Wir, als Studierendengemeinde in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Hochschulbeirat, wollen natürlich auch weiterhin Veranstaltungen organisieren, bei denen verschiedene Gemeinden sowie die Studierendenvertretungen und die Fakultäten einbezogen sind. Dafür braucht es eine gute Vernetzung", sagt die Pfarrerin und ergänzt: "Es ist mir außerdem wichtig, Räume für Gespräche und Diskussionen zu bieten. Ich trete erkennbar als Christin in dieser Welt auf, möchte aber auch mit Angehörigen anderer Religionen sowie mit nichtgläubigen Menschen ins Gespräch kommen". Auch in einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit verschiedenen Religionen, wie sie die Religionswissenschaft bietet, sieht sie die Möglichkeiten eines besseren Verständnisses unterschiedlicher Glaubens- und Denkformen bzw. auch des Kennenlernens der eigenen kulturellen Traditionen. Denn sie habe bereits bemerkt, dass viele Studierende vermeintlich "exotische" Religionen wie den Islam und den Hinduismus inzwischen besser kennen, als das Christentum.


Studierendenpfarrerin und Religionswissenschaftlerin

Kombiniert ist die Stelle der Hochschul- und Studierendenpfarrerin über die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mit einer Stelle am Lehrstuhl für Religionswissenschaft der Uni Jena. Hier hatte die 46-Jährige bereits den neuen Bachelor-Studiengang "Religionswissenschaft: Weltreligionen in Geschichte und Gegenwart" gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Bertram Schmitz auf den Weg gebracht. Nun arbeitet sie an ihrer Habilitation und hat einen Lehrauftrag. "So kann ich meinen Beruf Pfarrerin, den ich sehr gern ausübe, mit meinen wissenschaftlichen Standpunkten verbinden", sagt Hartung. Sie wuchs in der Nähe von Eisenach auf und interessierte sich bereits früh für verschiedene Denk- und Glaubensformen. In einem Theologiestudium kombiniert mit einem Studium der Religionswissenschaft sah Constance Hartung die beste Möglichkeit, sich  mit verschiedenen Denkweisen zu befassen. Ihr Studium absolvierte sie in Leipzig, Marburg und Heidelberg, bevor sie in Marburg promoviert wurde. Als Pastorin in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Altengönna führte sie ihr Weg schließlich in den Kirchenkreis Jena.

Unterschiede zu einer Kirchengemeinde und einer Studierendengemeinde sieht Dr. Hartung vor allem im steten Wechsel der Zusammensetzung der Gemeinde, da das Studium zeitlich begrenzt ist. Zudem werden weniger häufig sogenannte Kasualien, wie Taufen oder Hochzeiten, anfallen. "Aber in diesem Amt ist auch eine schnellere Reaktion gefragt. Zum Beispiel auf politische Ereignisse, wie die Flüchtlingsbewegung und die damit verbundene Integrationsarbeit. Hier muss eine Studierendengemeinde schnell universitär vernetzt agieren."


Amtseinführung am 18. Oktober

Offiziell wird Dr. Constance Hartung am 18. Oktober, 19.30 Uhr, ins Amt eingeführt. Dann findet traditionell der ökumenische Gottesdienst zur Eröffnung des neuen Wintersemesters in der Stadtkirche St. Michael statt. "Ich möchte mich schon jetzt bei den Vertrauensstudierenden und Pfarrer Lemke bedanken, die während der Vakanzzeit seit dem Ruhestand von Sabine Nagel im März die Gemeinde sehr motiviert und engagiert verwaltet und begleitet haben", freut sich Hartung auf eine gute Zusammenarbeit.

Kontakt:
Dr. Constance Hartung
Evangelische Studierendengemeinde
August-Bebel-Straße 17A, 07743 Jena
E-Mail: c