Profil der Fakultät

Die Theologische Fakultät Jena

Die Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört zu den vier Gründungsfakultäten der Universität und ist eine der ältesten evangelischen Fakultäten in Deutschland. Im Bereich Forschung und Lehre ist die Fakultät innerhalb der Universität insbesondere mit der Philosophischen Fakultät und der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften eng vernetzt. Darüber hinaus kooperiert sie mit inner- und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem Forschungszentrum 'Laboratorium Aufklärung' der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Klassik-Stiftung Weimar und der Forschungsbibliothek Gotha. Die Fakultät steht in regem Austausch mit der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt und engagiert sich im ökumenischen Gespräch. Sie baut die wissenschaftliche Vernetzung mit Fakultäten u. a. in Osteuropa, Südafrika und Brasilien aus und befördert damit die internationalen Studienmöglichkeiten u.a. im Rahmen des Erasmus-Programms der Europäischen Union.

Evangelische Theologie beschreibt wissenschaftlich exakt und methodisch reflektiert, gesprächsoffen und kritisch christliche Praxis und Theorie in Geschichte und Gegenwart. Sie entwirft und diskutiert neue Möglichkeiten christlichen Lebens und Denkens für Gegenwart und Zukunft. Dabei bringt evangelische Theologie die zeitübergreifende Bezogenheit auf Jesus Christus, die im 16. Jahrhundert entwickelte reformatorische Perspektive und die jeweiligen kulturellen Kontexte in ihrer individuellen und sozialen Ausprägung in eine konstitutive Rolle.

Christliche Praxis und Theorie definieren sich durch ihren Bezug auf das biblische Zeugnis von Jesus Christus, welches seine Wurzeln in der jüdischen Religionsgeschichte und im Alten Testament hat und für Christen von existentieller Relevanz ist.

Christliche Praxis und Theorie umfassen Verkündigung und Bildung, rituelle Vollzüge, Spiritualität, dogmatische und ethische Überzeugungen, Werte und Praktiken, kulturelle Gestaltungen und affektive Prägungen.

Untersucht werden dabei vor allem:

  • biblische Texte und theologische Entwürfe hinsichtlich ihrer Vergegenwärtigungsmöglichkeiten,
  • die historische Genese christlicher Praxis und Theoriebildung,
  • die Identität des evangelischen Christentums im Verhältnis zu anderen christlichen Konfessionen, zu anderen Religionen und zur Konfessions- bzw. Religionslosigkeit,
  • die Wechselwirkungen zwischen theologischer Theoriebildung und christlich-religiöser Praxis beim Einzelnen, in der Kirche und der Gesellschaft,
  • gesellschaftliche Wandlungsprozesse in ihrer Bedeutung für Theologie und christliche Praxis und
  • die religiöse Dimension menschlicher Kultur und humaner Lebensführung.

Die Religionswissenschaft arbeitet in der Theologischen Fakultät Jena als eigenständiges Fach. Die Theologie schätzt die religionswissenschaftliche Außenperspektive als notwendige Ergänzung und unverzichtbares Gegenüber zur Binnenperspektive der Theologie. Indem die Religionswissenschaft bestrebt ist, religiöse, theologische, philosophische oder weltanschauliche Bindungen aus ihrer Forschung herauszuhalten, bildet sie ein Kontergewicht zur stets möglichen Eigendynamik theologischer Binnendiskurse  und sorgt auf dem Felde der Religionen dafür, dass das Fremde als Fremdes zur Geltung kommt. Diese Perspektive ist in Forschung und Lehre gleichermaßen unentbehrlich.

In den theologischen Disziplinen Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie, Religionspädagogik sowie in der Religionswissenschaft kommt eine Vielzahl von Methoden, insbesondere historischer, philologischer, phänomenologischer und empirischer Ansätze, zur Anwendung.

Zu unserer Arbeit gehört der interdisziplinäre Austausch insbesondere mit den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Die Theologie thematisiert dabei die religiöse Dimension von Kultur in Geschichte und Gegenwart. Mit ihrem Bekenntnis zur Gottesbezogenheit des humanen Daseins verfügt die Theologie über eine kritische Distanzierungsfähigkeit gegenüber möglichen Absolutheitsansprüchen wissenschaftlicher Forschung. Die theologische Forschung in Jena setzt sich dabei mit der spezifischen kirchlichen und religiösen Situation in Mitteldeutschland auseinander. Diese lokale Perspektive verbindet sich mit einer Ausrichtung auf das Christentum in seinen globalen Dimensionen. Damit trägt theologische Forschung in substanzieller Weise zu einem sachgemäßen kirchlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Religion bei.

Aktuelle Profillinien der Fakultät sind:

  1. Bibel im Kontext von Antike und Orient,
  2. Reformation und Moderne,
  3. Versöhnung in theologischer und ethischer Perspektive,
  4. Religiöse Bildung im Kontext sozialer Wandlungen und
  5. Biblische und lutherische Theologie in Kirche und Gesellschaft heute.

Mit diesem Forschungsprofil der Fakultät ergeben sich Affinitäten insbesondere zu folgenden Forschungsschwerpunkten der Gesamtuniversität:

  1. Grundlagen Europas: Kultur und Religion in Antike und Mittelalter
  2. Aufklärung und Romantik
  3. Menschen im sozialen Wandel

Die Fakultät sieht sich dem Anspruch der forschungsorientierten Lehre im Studium und in der Weiterbildung verpflichtet. Ihren studentischen Mitgliedern bietet die Fakultät dementsprechend ein anspruchsvolles, vielfältiges und an aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen orientiertes Lehrangebot. Durch propädeutische Lehrveranstaltungen und eine breite Sprachausbildung stellt sie die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Studienverlauf sicher. Sie will zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden beitragen und die Voraussetzungen für eine theologisch versierte Urteilskraft als grundlegende Voraussetzung beruflicher Verantwortung in Kirche (Pfarramt und kirchliche Verwaltung), Schule (Lehramt), Universität und anderen gesellschaftlichen Institutionen entwickeln.

Das Ziel theologischer Forschung und Lehre besteht für die Jenaer Fakultät darin:

  • die Geschichte und Gegenwart des Christentums zu erschließen, die Wahrheits- und Geltungsansprüche christlicher Verkündigung zu reflektieren und die Entwicklung christlicher Praxis durch Theoriebildung zu unterstützen,
  • die biblische Fundierung, die Entwicklung des christlichen Glaubens, dessen Inhalte und Kommunikationsprozesse genauer zu verstehen,
  • die argumentative Kommunikation über den christlichen Glauben in einer säkularen Gesellschaft zu befördern,
  • den interdisziplinären Diskurs über die religiöse Dimension menschlicher Kultur und über humane Gestaltung der Zukunft zu befördern und
  • Perspektiven der Kirche in säkularer Gesellschaft zu entwickeln unter Einbezug der Herausforderungen des geographischen Standorts (Kirche in ländlicher Region, Kirche im entchristlichten Umfeld) wie überregionaler Perspektiven,
  • den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Promotions- und Habilitationsphase zu fördern.

Theologische Wissenschaft vollzieht sich in der individuell zu verantwortenden Freiheit aller Forschung und ist dieser Freiheit verpflichtet. Die Pluralität von prägnanten theologischen Positionen und Konzepten und ihre gründliche Diskussion zeichnet die Theologische Fakultät Jena aus.

Überarbeitungsstand: 6. März 2014