Studientag 2015 "Allein die Schrift - Gilt das reformatorische Schriftprinzip heute?"

Studientag der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Mittwoch, 28. Januar 2015

In Auseinandersetzung mit den kirchlichen Autoritäten betonte der Wittenberger Reformator Martin Luther 1520 pointiert: ".... dass die Schrift allein herrsche..." (solam scripturam regnare). Seit Luthers Zuspitzung gilt die Formel "allein die Schrift" (sola scriptura) als zentrale Aussage evangelischen, speziell lutherischen Selbstverständnisses. Doch welche Bedeutung hat das reformatorische Schriftprinzip gut 500 Jahre später? Was vermag das Schlagwort heute für Theologie, kirchliche Praxis, religiöse Bildungsarbeit und im gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu leisten?
Die Theologische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena griff im Themenjahr der Lutherdekade "Reformation und Bibel" diese Problematik auf und stellte sich ihr beim Studientag am Mittwoch, 28. Januar 2015, in Vorträgen und Arbeitsgruppen. In einer öffentlichen Podiumsdiskussion wurde abends die Fragestellung erweitert und mit alternativen Konzepten unter der Frage "Was ist Wahrheit? Naturwissenschaft und Theologie im Streit" ins Gespräch gebracht. Anschließend gab die Landesbischöfin der EKM einen Empfang im Foyer des Campus.

Vortragsthemen:

  • "Was Christum treibet"! Zur Entstehung von Luthers Schriftverständnis, Prof. Dr. Christopher Spehr
  • Freiheit von der Schrift. Bemerkungen zum Schriftprinzip im Anschluss an Luther, Prof. Dr. Uwe Becker
  • Sola Scriptura - in welchem Sinn gilt das Neue Testament in lutherischen Kirchen heute weltweit?, Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr
  • Galt das Schriftprinzip jemals?, Prof. Dr. Rochus Leonhardt (Universität Leipzig)
  • Wer steht im Mittelpunkt religiöser Bildung?, Prof. Dr. Michael Wermke

Arbeitsgruppen:

  • Bibel und Spiritualität: Prof. Dr. Corinna Dahlgrün, Prof. Dr. Josef Freitag (Universität Erfurt)
  • Altes Testament predigen: Prof. Dr. Hannes Bezzel, Tobias Schüfer (Evangelisches Predigerseminar Wittenberg)
  • Die Bibel im Theologiestudium: Prof. Dr. Miriam Rose, Superintendent Henrich Herbst (Weimar)
  • Bibel im Religionsunterricht: Dr. Marita Koerrenz, Miriam Beier und Dr. Hanne Leewe (Pädagogisch-Theologisches Institut der EKM)

Podiumsdiskussion: Was ist Wahrheit? Naturwissenschaft und Theologie im Streit

Es diskutierten:

  • Prof. Dr. Ulrich Barth (Systematische Theologie, Halle-Wittenberg)
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Weder (Neues Testament, Zürich)
  • Prof. Dr. Jürgen Audretsch (Theoretische Physik, Konstanz)
  • Moderation: Reinhard Mawick (Chefredakteur "Zeitzeichen", Berlin)