Exkursion zu hinduistischen Tempeln in Hamm

Exkursion: Die Tempel Sri Kamadchi Ampal und Thiru Nallur Sri Arumuka Velalakan in Hamm

Thema: Tamilischer Hinduismus in Deutschland

Am 23. Juli machten sich sieben Studierende auf den Weg zu einer zweitägigen Exkursion nach Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, sich mit Glauben und Leben tamilischer Hindus in Deutschland zu beschäftigen. Während der Fahrt im gemieteten Kleinbus tauschten wir uns über unser Wissen zum Hinduismus aus. An unserer Unterkunft bei Familie Niedoba im Lippetal angekommen, wurden wir herzlich begrüßt und umsorgt. Am Abend wurden wir durch einen Vortrag zum Thema Hinduismus in Hamm und tamilischen Flüchtlingen in Deutschland in das Thema der Exkursion eingeführt. In einer anschließenden Diskussion ergaben sich mögliche Fragen für die Tempelführungen am kommenden Tag. Interessante Impulse kamen dabei auch dadurch zustande, dass wir Teilnehmenden aus den verschiedenen Fachbereichen Religionswissenschaft, ev. Theologie, Religionsdidaktik und Geographie stammen und so verschiedene Erfahrungen einbringen konnten.

Am nächsten Morgen fuhren wir schließlich weiter nach Hamm-Uentrop um Europas größten tamilischen Tempel, Sri Kamadchi Ampal, zu besuchen. Dieser befindet sich inmitten eines großen Industriegebietes außerhalb der Stadt. Auf der Fahrt durch die kleinen Ortschaften des Lippetals hatten katholische Heiligenkapellen und Christuskreuze unseren Weg gesäumt. Geleitet von Wegweisern zum "Hindu-Tempel Hamm" bot sich uns bald ein völlig anderes Bild. Inmitten der Wirtschaftsstraßen und Fabrikhallen zeigten sich die farbenfrohen Türme des Sri Kamadchi Ampal Tempels. Dort angekommen trafen wir Frau Eichhorst, eine langjährige ehrenamtliche Unterstützerin des Tempelvereins. Sie führte uns zunächst um das Gebäude herum und berichtete vom diesjährigen Tempelfest Anfang Juli. Anlässlich der Feierlichkeiten und des großen Umzuges der Göttinnenstatue kommen jährlich rund 25.000 Gläubige aus ganz Europa zusammen. Doch auch sonst besuchen den Ort zahlreiche Gäste aus nah und fern um zu beten oder bei einer Führung mehr über den Hinduismus zu erfahren.

Der Tempel ist der Göttin Kamadchi geweiht, der Gattin Shivas, die auch als Parvati bekannt ist. Daher werden u.a. zahlreiche weitere weibliche Gottheiten verehrt. Auch auf den frisch bemalten Türmen und auf den Ecken des Daches sind zahlreiche Göttinnenfiguren zu entdecken. Ins Auge fällt außerdem die auffällige, gestreifte Bemalung des Baus in rot und weiß. Diese ist typisch für südindische Hindu-Tempel und symbolisiert Liebe und Reinheit/ Fruchtbarkeit. Im Tempel selbst begaben wir uns nach hinduistischer Tradition zuerst zum Schrein des Shivasohnes Ganesh. Anschließend erklärte uns Frau Eichhorst weitere Schreine, Gemälde und Götterfiguren mit ihren Reittieren und Attributen. Im Zentrum des Innenraumes war der große Schrein der Göttin Kamadchi zu bestaunen. Im Anschluss nahmen wir an einer Pooja teil, die von einem der Tempelpriester durchgeführt wurde. Diese war mit ihren verschiedenen Mantren, Musik, Glockenläuten, Feuer und Gerüchen sehr beeindruckend. Am Ende des Gottesdienstes hatten wir zudem Gelegenheit, ein Fürbittenritual mitzuerleben, das der Priester für eine Familie der Gemeinde durchführte. Zum Abschluss trafen wir wieder auf Frau Eichhorst, die uns von der Geschichte des Tempels und den anfänglichen Schwierigkeiten wegen Ablehnung des Tempels durch Hammer Bürger erzählte.

Mit diesen Eindrücken begab sich die Gruppe auf den Weg in die Innenstadt. Dort befindet sich in einem Wohnviertel der zweite der drei tamilischen Tempel der Stadt, Thiru Nallur Sri Arumuka Velalakan. Ganz anders gelegen zwischen Wohnhäusern, Eckkneipen und Kebab-Imbissen war auch dieser sogleich an seiner farbigen Fassade erkennbar. In dem kleinen Gebäude waren wegen des vorangegangenen Tempelfestes einige Familien von Gläubigen, die mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Dennoch wurden wir sehr freundlich aufgenommen und sogleich herumgeführt. Ein alteingesessener Priester und ein Gehilfe zeigten uns die reichgeschmückten Statuen und Wandgemälde und erzählten von den dargestellten Göttern und Geschichten. An einer Seite befand sich der Schrein des Shivasohnes Murugan, der im Zentrum der Tempelverehrung steht. Außerdem bekamen wir die Figuren der Planetengötter und einen lebendigen Pfau gezeigt, der seit Jahren dort lebt und als Reittier Murugans verehrt wird. Beschenkt mit Infotexten setzten wir uns im Tempel zusammen und lasen eine bekannte Geschichte über Ganesh und Murugan. Gestärkt von einem feurigen Essen kamen wir zuletzt zu einem Gruppenbild zusammen. Nach der herzlichen Verabschiedung ging es schließlich zurück zum Bus. Auf dem Rückweg nach Jena konnten wir uns über die gesammelten Eindrücke austauschen. Alle Teilnehmenden waren sehr begeistert von den neuen Erfahrungen und der gastfreundlichen Behandlung an allen Orten. Die Exkursion brachte anschauliche Einblicke in die hinduistischen Göttervorstellungen und die tamilische Glaubenspraxis in Deutschland.