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Berkeley, USA

Stud. theol. Markus Löffler über sein Studienjahr in Berkeley, USAMarkus Löffler: Studienjahr in Berkeley, USA

Berkeley ist ein idealer Platz für ein Auslandsstudium. Vom Campus der aufstrebenden University of California at Berkeley (www.berkeley.edu) nahm die weltweite Studentenbewegung der 1960er Jahre ihren Ausgang und bis heute lassen sich unzählige Menschen von einem Studium in der San Francisco Bucht inspirieren. Die Graduate Theological Union (www.gtu.edu) bietet dazu hervorragende Möglichkeiten. Zwanzig theologische Seminare, Schulen und Zentren verschiedener Konfessionen und Religionen bieten einen unermesslichen Reichtum an wissenschaftlicher Lehre und Forschung. Von ausgefeilter Philosophie bei den Jesuiten bis zum Kampf für die Rechte von Frauen, Einwanderern, Schwulen und Lesben an der Pacific School of Religion ist in Berkeley alles zu finden. San Francisco ist nur eine kurze Fahrt mit der Metro entfernt und vermittelt einen guten Eindruck von der schillernden Vielfalt an Menschen, die in Amerika leben und wirken. Außerdem erstreckt sich in und um die Metropole die einzigartige Naturwelt Kaliforniens: Strände, Felswände, Redwood-Wälder und Weintäler. So lässt sich auch bei intensiven Studien ein kühler Kopf bewahren.

Mein Aufenthalt in Kalifornien dauerte etwa zehn Monate, von Mitte August 2012 bis Mitte Juni 2013. In dieser Zeit war ich als Student am Pacific Lutheran Theological Seminary (www.plts.edu) eingeschrieben und qualifizierte mich für das "Certificate of Advanced Theological Studies". Dieses Programm erlaubte mir die freie Wahl von vier bis fünf Lehrveranstaltungen (Seminare zu je 180 min) pro Semester an der Graduate Theological Union und an der University of California at Berkeley. Für die Veranstaltungen sind wöchentlich Aufsätze und Bücher zu lesen und schriftlich zu reflektieren. Das ist anstrengend, aber die intensive Arbeit zahlt sich am Ende auch aus. Der Zuwachs an Ideen, Erfahrungen und Beziehungen ist immens. Immer wieder wird die persönliche Stellungnahme zu theologischen Problemen, aber auch zu politischen Situationen oder kulturellen Eigenarten herausgefordert. So eignet sich das Studienjahr gerade im Hauptstudium, wenn verschiedene Themen der Theologie vertieft und ein eigener Standpunkt erarbeitet werden sollen.

Die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts braucht Zeit und Energie. Es ist ratsam, ein Jahr vor dem Auslandsaufenthalt mit der Planung zu beginnen. Für die Bewerbung am PLTS müssen verschiedene Dokumente sowie drei persönliche Gutachten übersetzt und eingereicht werden. Außerdem ist es nötig, den Test of English as a Foreign Language (TOEFL) abzulegen. Studienmaterial und Kurse im Sprachenzentrum können zur Vorbereitung hilfreich sein. Nach der erfolgreichen Bewerbung folgt eine Reihe weiterer Nachweise, unter anderem über die Finanzierung des Aufenthalts, um das Visum für die Vereinigten Staaten zu beantragen. Der Studiendekan des PLTS hat mich in diesen Prozess aber über Monate hin begleitet und unterstützt. Es war auch kein Problem, eines der Appartements in der seminareigenen Wohnanlage zu erhalten. Gleichzeitig musste ich mich jedoch frühzeitig in Deutschland um ein Auslandsstipendium bewerben, da Studiengebühren bis zu 10.000€ zu zahlen sind.

Die Anstrengungen in der Vorbereitung haben sich jedenfalls gelohnt. Neben den fachlichen Auseinandersetzungen faszinierten mich vor allem auch die persönlichen Begegnungen. Vor Beginn des Semesters wurden Einführungstage veranstaltet, in der die neuen Studierenden von den älteren Semestern begrüßt wurden. Jeden Mittwoch fand ein gemeinsamer Gottesdienst auf dem PLTS Campus statt mit anschließendem Mittagessen. Die angehenden PfarrerInnen der Evangelical Lutheran Church of America (www.elca.org) sind mir immer sehr offen und freundlich begegnet und haben faszinierende Geschichten zu erzählen. Manche der Studierenden haben gerade erst vom College ihren Bachelor erhalten, während andere schon lange im Beruf standen und nun in den Dienst der Kirche gehen. Auch die Dozenten waren um ein gutes Verhältnis zu den Studierenden bemüht und hatten Verständnis für die besonderen Herausforderungen internationaler Studierender. Ferner stand ein Team von erfahrenen SeelsorgerInnen allen Studierenden für Gespräche und Beratungen zur Verfügung.

Zwischen dem Pacific Lutheran Theological Seminary und der Universität Jena besteht leider keine offizielle Partnerschaft. Aber eine Bewerbung in Berkeley lohnt sich. Hier warten spannende Gespräche, ungewöhnliche Lebensentwürfe, waches Gerechtigkeitsempfinden, theologischer Scharfsinn, lutherische Identität und konfessionelle Vielfalt, originelle Ideen, Tagträume und Realpolitik, Musik, Film und atemberaubende Natur darauf, entdeckt zu werden.

Jena, 22. Juli 2013