Alte Sprachen

 

 

Die philologische, historische und theologische Auseinandersetzung mit den Schriften des Alten und Neuen Testaments wie auch mit den Quellen der Kirchengeschichte setzt eine Kenntnis der Sprachen voraus, in denen diese Texte geschrieben sind. Der Erwerb der klassischen Sprachnachweise Hebraicum, Graecum und Latinum gehört zu den Grundpfeilern der theologischen Ausbildung.  

Hebräisch und andere semitische Sprachen

Die Schriften des Alten Testaments sind weit überwiegend in hebräischer Sprache geschrieben. Einige Abschnitte aus späterer Zeit sind allerdings nur in Aramäisch verfasst. Hinzu kommen die außerbiblischen Quellen aus der Umwelt des Alten Testaments, die in anderen zumeist semitischen Sprachen überliefert sind. Für ein umfassendes Verständnis der Geschichte und Religionsgeschichte des antiken Israel und des frühen Judentums reicht die Kenntnis des Biblisch-Hebräischen allein also nicht aus. Die zusätzliche Einführung in benachbarte semitische Sprachen und Textcorpora (Epigraphik) dient dazu, die zeitgenössischen Schriftquellen des Alten Orients für die Arbeit am Alten Testament zu erschließen.

An der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena gibt es jedes Semester das folgende Lehrangebot:

  1. einen Grundkurs Hebräisch, der innerhalb eines Semesters zum Hebraicum führt
  2. einen Lektürekurs Biblisches Hebräisch zur Vertiefung und Auffrischung der Sprachkenntnisse
  3. die Einführung in eine außerbiblische Sprache bzw. ein Textcorpus aus der Umwelt des Alten Testaments wie z. B. Aramäisch (Alt- und Reichsaramäisch), Phönizisch, althebräische Epigraphik oder die Schriften des Frühjudentums

Griechisch

Griechisch ist nicht nur die Sprache des Neuen Testaments, auch frühe Übersetzungen des Alten Testaments sind in griechischer Sprache überliefert. Die frühe Kirchengeschichte baut im Wesentlichen auf Werken griechischsprachiger Autoren auf. Will man in der Lage sein, sich textkritisch mit den neutestamentlichen, aber auch kirchenhistorischen Texten auseinanderzusetzen, muss man über eine solide Kenntnis der griechischen Sprachen verfügen. Die griechische Sprache und das griechische Denken haben die Entwicklung Europas maßgeblich und nachhaltig beeinflusst. Nur durch das Kennenlernen der griechischen Welt, ihrer Menschen, ihrer Geschichte, ihres Staunens über die Welt und ihrer Fragen an die Welt ist ein Verstehen der Entwicklung Europas und speziell des Christentums möglich.

Latein

Mit der Konsolidierung des Christentums als Staatsreligion im 4. Jh. n. Chr. wurden christliche Inhalte vorrangig in lateinischer Sprache fixiert und in die meist entfernten Winkel des römischen Reiches und darüber hinaus getragen. Latein wurde zur offiziellen Kirchensprache und blieb es, auch nachdem es längst keine Alltagssprache mehr war. Latein als die Sprache der Kirche, der Verwaltung, der Gelehrsamkeit durch Mittelalter und Humanismus bis in die Neuzeit hinein gilt als der Schlüssel zu ebendiesen Quellen.